Porsch R., Gollub P.
Abstract in digital collection (conference) | Peer reviewedHinsichtlich schulpraktischer Aufenthalte im Lehramtsstudium werden vielfältige Wirkungen im Sinne einer Lerngelegenheit angenommen (vgl. z.B. Hascher & Kittinger, 2012) sowie mehrere Ziele wie Forschendes Lernen verfolgt. Insbesondere die Einführung des Praxissemesters wurde vielfach damit begründet, dass längere Praxisphasen gegenüber kürzeren überlegen wären(vgl. Weyland, 2012). Rothland und Boecker (2015) sprechen von einem „Mythos", da „ihre Qualität und Effektivität vielfach uneingeschränkt positiv bewertet werden" (S. 112) und „nicht wissenschaftliche Einsichten als Triebfeder fungier[t]en" (S. 113).Bislang existiertjedoch kein Überblick über die Potentiale, die verlängerten schulpraktischen Aufenthalten in der Lehrerbildung seitens der wissenschaftlichen Community zugeschrieben werden. Zudem ist offen, welche dieser Potentiale bereits einer empirischen Überprüfung unterzogen wurden. Das Poster stellt die Ergebnisse eines systematischen Reviewszur Identifikation von Potentialen verlängerter schulpraktischer Aufenthalte in der Lehrerbildung vor. Folgende Fragestellungen sind leitend: (1) Welche Potentiale werden verlängerten schulpraktischen Aufenthalten im Lehramtsstudium in der wissenschaftlichen Community zugeschrieben? (2) Welche Potentiale verlängerter schulpraktischer Aufenthalte wurden bislang empirisch untersucht?(3) Welche Forschungsdesiderata lassen sich aus dem Vergleich der in der Literatur benannten Potentiale und empirisch untersuchter Potentiale ableiten?Methodisch wurde wie folgt vorgegangen: Zuerst erfolgte eine Literaturauswahl mithilfe eines systematischen Reviews (vgl. Cooper et al., 2017). Dazu wurde eine Literaturrecherche mithilfe von Datenbanken für den Zeitraum 2000 bis Juli 2018 zu deutschsprachigen Texten mit den Schlagworten (u.a. „Praxissemester", „verlängerte Praxisphase") vorgenommen. Texte wurden gewählt, die mindestens ein Potentialfür verlängerte Praxisphasen im Lehramtsstudium benennen. Die Datengrundlage stellen 64 Texte dar (392Kodiereinheiten), wobei 36 empirische Arbeiten, 22 Diskussionsbeiträge und 6 Reviews berücksichtigt werden konnten. Anschließend wurde eine Identifikation von Potentialen mithilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse (vgl. Kuckartz, 2016; Mayring, 2015) vorgenommen. Dazu wurden die Textstellen elektronisch erfasst und die Auswahl durch eine weitere Person geprüft. Ein Kategoriensystem wurde entwickelt und 20% der Texte durch zwei unabhängige Personen kodiert (к = .70). Schließlich erfolgte eine Diskussion der Differenzen und die finale Erstellung eines Kodierschemas, um anschließend die Gesamtheit aller Textstellen zu kodieren. Im Vergleich der in allen Texten genannten Potentiale und der in empirischen Studien untersuchten Potentiale verlängerter schulpraktischer Aufenthalte fällt auf, dassder Erwerb professioneller Kompetenzen für den Lehrerberuf das am häufigsten genannte Argument darstellt und gleichermaßen am häufigsten bislang empirisch untersucht worden ist. Viele häufig genannte Argumente, insbesondere „Verzahnung von Theorie und Praxis", „Umfassendes Kennenlernen des Arbeitsplatzes Schule" und „Entwicklung von Reflexionsfähigkeit" wurden bislang selten erforscht. Insbesondere „Forschendes Lernen" wird als ein starkes Potential angesehen, dessen Erforschung im Sinne der Wirksamkeit jedoch ein Desiderat darstellt.
| Gollub, Patrick | |
| Porsch, Raphaela |
Duration: 01/01/2018 - 31/12/2019 Type of project: Own resources project |
| Posterpreis 2019 Awarded by: Sektion Empirische Bildungsforschung in der Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) Award given to: Porsch, Raphaela; Gollub, Patrick Announced at: 17/09/2019 | Date of awarding: 15/09/2019 Type of distinction: Best publication award |