Borel, S.; Adl-Amini, K.; Gasterstädt, J.; Kistner, A.
Research article (journal) | Peer reviewedFörderplänen wird im Zuge der Kritik an einer Statusdiagnostik und der damit einhergehenden Entwicklung förderorientierter Diagnostik eine zentrale Rolle als lernprozessbegleitendes Instrument im inklusiven Unterricht zugeschrieben. In vielen Bundesländern Deutschlands ist die individuelle Förderung entlang von Förderplänen durch die allgemeine Schule der Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF) vorgeschaltet. Hier setzt der vorliegende Beitrag an und fokussiert das Instrument der Förderpläne im Kontext der Verfahren zur Feststellung des SPF ,Lernen‘. Berichtet werden Ergebnisse aus dem Projekt „InDiVers“, das Feststellungsverfahren in der Grundschule in vier Bundesländern in einem qualitativen Mehrebenendesign untersucht. Der methodologische Zugang der Situationsanalyse erlaubt es dabei, Förderpläne als materielle Artefakte in komplexen Situationen zu verstehen und so deren Handlungsmacht in den Blick zu nehmen. Gefragt wird, welche Rolle die Förderpläne im Rahmen von Feststellungsverfahren einnehmen, wie die adressierten Kinder als förderbedürftig konstruiert werden und welche Formen pädagogischer Bearbeitung sich anschließen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich in den Förderplänen ein defizitärer Blick auf Kinder und deren Entwicklung manifestiert. In den rekonstruierten pädagogischen Bearbeitungsweisen dokumentiert sich das Scheitern der Maßnahmen in der Regelschule. So wird aus der vorbeugend gedachten Arbeit mit Förderplänen als Instrument der Diagnostik und Förderung ein Beleg der Notwendigkeit der Feststellung des SPF.
| Borel, Sylvie | Professorship of Educational Science with a focus on the fundamentals of inclusive education and special education (Prof. Gasterstädt) |
| Gasterstädt, Julia | Professorship of Educational Science with a focus on the fundamentals of inclusive education and special education (Prof. Gasterstädt) |