Was sind eigentlich Förderung und Prävention?

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Type of projectOwn resources project
Duration at the University of Münstersince 01/05/2025

Description

Förderung gilt inzwischen als fester Bestandteil schulischer Konzeptionen und Praxis. Sie soll als Schlüssel zur Lösung bei komplexen schulischen Herausforderungen dienen, insbesondere in sich inklusiv entwickelnden Schulen, und pädagogisches Handeln unterschiedlicher Professionen anleiten. Förderung steht häufig im Zusammenhang mit dem Gedanken der Prävention, etwa wenn eine drohende Behinderung oder nicht erwünschte Bildungs- und Entwicklungsverläufe vermieden oder abgemildert werden sollen. Auf bildungspolitischer, wissenschaftlicher und schulkonzeptioneller Ebene gibt es verschiedene Auffassungen darüber, was unter Förderung zu verstehen ist und in welchem Verhältnis individuelle und sonderpädagogische Förderung und Prävention stehen (Decristan & Dumont, 2021). Darüber hinaus ist noch wenig darüber bekannt, wie Förderung und Prävention im schulischen Alltag konkret umgesetzt werden. Die Aspekte der Förderung und Prävention sind insbesondere im Zusammenhang mit sonderpädagogischer Förderung und der vielfach kritisierten Kategorie des Sonderpädagogischen Förderbedarfs (SPF) miteinander verbunden: Einige Schulgesetze beschreiben, dass Fördermöglichkeiten an der allgemeinen Schule präventiv ausgeschöpft werden müssen (z.B. AO-SF §12), bevor Verfahren zur Feststellung von SPF eingeleitet werden können. Der Ausbau von Prävention wird aktuell verstärkt im Rahmen der Kritik an den Verfahren empfohlen (MSB NRW, 2024). Da Prävention eng an die Zuschreibung von individuellen Defiziten oder Risiken geknüpft ist (Dederich, 2024; Krönig, 2017), besteht ein Spannungsfeld zwischen einerseits der Gewährleistung notwendiger Unterstützung zur Teilhabe und andererseits des Risikos von Stigmatisierung. Vor dem Hintergrund der normativen Ansprüche und institutionellen Rahmenbedingungen von Förderung und Prävention, stellt sich die Frage, wie (sonderpädagogische) Förderung und Prävention in unterschiedlichen Settings umgesetzt werden, welche Regeln und Logiken der pädagogischen Praxis zugrunde liegen, wie die zu fördernden Schüler*innen adressiert werden und welche Teilhabemöglichkeiten bzw. -begrenzungen sich für diese ergeben. Darüber hinaus ergibt sich die Frage, welche subjektiven Vorstellungen von Förderung und Prävention die pädagogischen Handelnden haben, u.a. welche Erwartungen und Zukunftsperspektiven sie mit diesen Begriffen verbinden. Das Forschungsprojekt setzt an diesem, empirisch noch nicht in den Blick genommenen Themenkomplex an und untersucht mittels eines ethnographischen Zugangs (Breidenstein et al., 2013) Förderung und Prävention an Schulen des Gemeinsamen Lernens in NRW. Um subjektive Deutungsmuster in Bezug auf Förderung und Prävention zu rekonstruieren, werden neben der teilnehmenden Beobachtung in der Schule auch Interviews und Gruppendiskussionen durchgeführt. Die Analyse der Daten erfolgt in Anlehnung an die Grounded Theory Methodology (Charmaz, 2014) und die Situationsanalyse (Clarke, 2012). Ziel ist es einen empirisch fundierten Beitrag zu Förderung und Prävention vor dem Hintergrund sich inklusiv entwickelnder Schulen zu generieren und dabei zu einer Vermittlung von Diskurs und pädagogischer Praxis beizutragen. Literatur: Breidenstein, G., Hirschauer, S., Kalthoff, H. & Nieswand, B. (2013). Ethnografie. UVK. Charmaz, K. (2014). Constructing grounded theory (2. Aufl.). SAGE. Clarke, A. E. (2012). Situationsanalyse: Grounded Theory nach dem Postmodern Turn. Springer VS. http://d-nb.info/997984805/04 Decristan, J. & Dumont, H. (2021). Individuelle Förderung und Differenzierung im Unterricht. In K. Seifried, S. Drewes & M. Hasselhorn (Hrsg.), Handbuch Schulpsychologie. Psychologie für die Schule (3. überarb. Aufl., S. 309‒317).  Kohlhammer. https://doi.org/10.17433/978-3-17-039787-3 Dederich, M. (2024). Prävention. In M. Dederich & J. Zirfas (Hrsg.), Optimierung: Ein interdisziplinäres Handbuch (S. 199–204). J.B. Metzler. Krönig, F. K. (2017). Inklusion, Prävention und Diagnostik.: Ein Rekonstruktionsversuch verdeckter Widersprüche. In D. Amipur & A. Platte (Hrsg.), Handbuch Inklusive Kindheiten (S. 51–63). Verlag Barbara Budrich. Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW. (2024). Gemeinsames Gutachten zum Wissenschaftlichen Prüfauftrag zur steigenden Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung. https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/kurzfassung_wissenschaftlicher_pruefauftrag_sonderpaedagogische_foerderung.pdf

KeywordsFörderung; Prävention; sonderpädagogische Förderung; Ethnographie; Grounded Theory Methodologie; Situationsanalyse

Project management at the University of Münster

Borel, Sylvie