Hertel, S., Ufermann, L., Hennemann, T., Urton, K.
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewedMultiprofessionelle Kooperation wird als zentrales Element der Ganztagsschule und inklusiver Schulentwicklung betrachtet (Lütje-Klose et al. 2024; StEG-Konsortium 2019). Befunde deuten darauf hin, dass multiprofessionelle Kooperation auch langfristiger Abstimmungen und struktureller Verankerung bedarf (Schüpbach et al. 2012; Tillmann 2011). Aufbauend auf vier für die Kooperation als relevant angenommene Ebenen, die individuelle, interaktionelle, institutionelle und Sachebene (Lütje-Klose et al. 2024), wird in der vorliegenden Studie der Frage nachgegangen, inwiefern sich Überzeugungen und Erfahrungen in Bezug auf die multiprofessionelle Kooperation im Rahmen eines dreijährigen Schulentwicklungsprojekts verändern bzw. als stabil erweisen. Hierzu wurden zu Projektbeginn (t1= 2020/21) und Ende (t2= 2022/23) sieben Lehrkräfte sowie neun pädagogische Fachkräfte an je einer inklusiven Grund- und Gesamtschule interviewt. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich-strukturierender Inhaltsanalyse (Kuckartz und Rädiker 2022). Die Ergebnisse zeigen deutliche Stabilisierungen über den Zeitraum und alle Professionen hinweg: Grundhaltungenwie Kindzentriertheit und Multiperspektivität blieben an beiden Zeitpunkten zentral. Auch die Annahme, dass multiprofessionelle Kooperation die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen in psychosozialen Risikolagen verbessert, erwies sich als stabil. Gleichzeitig wurden Veränderungen sichtbar. Zu t2 beschrieben die Befragten eine klare, herausgearbeitete gemeinsame Haltung und systematisiertere Kooperations- und Abstimmungsprozesse. Professionelle Unterschiede zeigten sich nur punktuell (z.B. stärkere Ausbildungsreflexion bei Lehrkräften), verfestigten sich jedoch nicht, sondern verschränkten sich im Verlauf situativ. Insgesamt zeigen die Befunde, dass multiprofessionelle Kooperation in inklusiven Schulentwicklungsprozessen ein Zusammenspiel stabiler Orientierungen und prozesshafter Weiterentwicklungen darstellt, eine reflexive Aushandlung über einen längeren Zeitraum erfordert und Kinder sowie Jugendliche in den Mittelpunkt kooperativen Handelns stellt.
| Urton, Karolina | Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Schulpädagogik: Inklusive Bildung (Prof. Urton) |