Von 1542 bis 1966 kontrollierte die Römische Kurie Buchmarkt und Druckwesen und sprach bei publizistischen Verstößen gegen die katholische Glaubenslehre oder die Sitten Verbote aus. Als Material für die Erforschung der apostolischen Bücherzensur stand der Wissenschaft lange Zeit kaum mehr als der »Index librorum prohibitorum« zur Verfügung. Die über die Verbotshintergründe Auskunft gebenden Akten der zuständigen Dikasterien, des Sanctum Officium (1542–1966) und der Indexkongregation (1571–1917), wurden erst 1998 allgemein zugänglich gemacht (momentan noch mit Ausnahme der Zeit nach Februar 1939). Aufbewahrungsort dieser Akten ist das römische Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre (Archivio della Congregazione per la Dottrina della Fede). Das Langfristprojekt sichert der deutschen Forschung einen herausragenden Anteil an der Erschließung und Auswertung dieses kulturell erstrangigen Archivbestands. Im Zentrum des Projekts steht die Grundlagenforschung auf drei Ebenen: Erstens werden die einschlägigen Akten der Inquisition und der Indexkongregation in Form eines Systematischen Repertoriums aus zensurhistorischem Blickwinkel erschlossen. Alle vor das Tribunal der Zensur gelangten Bücher, verbotene wie »freigesprochene«, werden darin bibliographisch exakt und mit Verweis auf die fallspezifischen Akten verzeichnet. Zweitens werden die Plakatdrucke (»Bandi«), mit denen die Bücherverbote in Rom rechtskräftig bekannt gemacht wurden, erstmals vollständig ediert. Eine Prosopographie liefert, drittens, bio-bibliographische Profile der Kongregationsmitarbeiter, die über die kirchenadministrativen Funktionen, die Einbindung in die kurialen Strukturen und die akademisch-theologischen Werdegänge informieren. Zusätzlich zu dieser Grundlagenforschung werden in Einzelprojekten prominente Zensurfälle und -themen, die Rezeption der Bücherverbote sowie zentrale Aspekte der Struktur und Verwaltung der beiden Zensurbehörden untersucht. Das Projekt arbeitet sich rückwärts chronologisch, ausgehend vom Jahr der Auflösung der Indexkongregation (1917), auf die Anfänge der institutionellen Buchzensur in Rom vor. Den Schlusspunkt markiert das Gründungsjahr der Römischen Inquisition (1542). Die Ergebnisse der Grundlagenforschung für das 19. Jahrhundert (1814–1917) wurden 2005 bis 2007 publiziert. 2009 bis 2011 erschienen die Bände für die Zeit von 1701 bis 1813. Die den Zeitraum von 1542 bis 1700 abdeckende Fortsetzung wird die Reihe vorerst beschließen. Ziel des Vorhabens ist die Bereitstellung eines alle historisch ausgerichteten Disziplinen ansprechenden Arbeitsinstruments, das Grundlagen schafft für Untersuchungen in der "longue durée" über die Auseinandersetzung der Römischen Kurie mit den intellektuellen Entwicklungen der Neuzeit sowie über die Geschichte der Zensur und Wissenskontrolle allgemein.
| Wolf, Hubert |
| Wolf, Hubert |
Laufzeit: 01.01.2010 - 31.12.2012 | 4. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt | |
Laufzeit: 01.01.2004 - 31.12.2006 | 2. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt | |
Römische Inquisition und Indexkongregation von 1542 bis 1966 (Inquisition und Index) Laufzeit: 01.01.2002 - 31.12.2003 | 1. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt | |
Laufzeit: 01.01.2007 - 31.12.2009 | 3. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt |