Römische Inquisition und Indexkongregation von 1542 bis 1966

Grunddaten zu diesem Projekt

Art des ProjektesGefördertes Einzelprojekt
Laufzeit an der Universität Münster01.01.2010 - 31.12.2012 | 4. Förderperiode

Beschreibung

Zu den bestgehüteten Geheimnissen der neuzeitlichen Geschichte gehörte bis 1998 das Inquisitionsarchiv der römischen Kirche. Die Kongregationen von Index und Inquisition, im 16. Jahrhundert v.a. zur Abwehr der deutschen protestantischen Häresien gegründet, entwickelten sich bald zum Instrument einer von Rom angestrebten totalen Medienkontrolle. Ihre vierhundertjährige Arbeit hat ex negativo ein Archiv neuzeitlicher Wissenskultur heranwachsen lassen, das der Erforschung aller Wissensbereiche einzigartige Möglichkeiten eröffnet. Bis 1998 war es außerordentlich schwierig, die amtliche katholische Position zu bestimmten neuzeitlichen Entwicklungen in den verschiedenen Wissensbereichen zu eruieren oder Lehrbeanstandungs- und Indizierungsverfahren gegen Autoren und Bücher, die Katholiken zu lesen verboten waren, aufzudecken. Mit der teilweisen Öffnung des Archivs der Kongregation für die Glaubenslehre (ACDF) im Frühjahr 1998, das die Bestände der für die kirchliche Bücherzensur und -kontrolle zuständigen römischen Dikasterien enthält, ist nun ein direkter Zugriff auf die Prozeßakten möglich. Damit haben sich vielfache Forschungsmöglichkeiten ergeben. Insbesondere können nun die Strukturen der Behörden - abseits der normativen Reglements - untersucht, die involvierten Personen identifiziert und die genauen Gründe, die zur Indizierung eines konkreten Buches führten, benannt werden. Für die Erschließung des Archivs verfolgt das von der DFG finanzierte, auf 12 Jahre angelegte Langzeitprojekt drei konkrete Forschungsvorhaben: Edition der Urteile von Indexkongregation und Inquisition und bibliographische Identifikation der verbotenen Bücher. Dadurch entsteht erstmals eine komplette Übersicht über die römischen Bücherverbote (Bandi-Edition). Dokumentation der Sitzungen von Inquisition und Indexkongregation im Hinblick auf die Bücherzensur. Aufgeführt werden die Termine, Teilnehmer und Tagesordnungspunkte einschließlich jener Bücher, die verhandelt aber nicht verboten wurden. Umfassende Angaben zu Fundort, Umfang und Verfasser der Gutachten bzw. Zensuren (Sitzungs-Dokumentation). Erarbeitung einer Prosopographie der Mitglieder und Mitarbeiter der Kongregationen. Neben den Kerndaten und Hinweisen zu Familie, Bildungsgang und Lebenslauf wird die konkrete Arbeit der Personen für Inquisition und Indexkongregation dokumentiert. Schriftenverzeichnis und Literaturliste zur Person schließen sich an. Ziel der Grundlagenforschungen ist es, Fachleuten aller Disziplinen die Benutzung der Archivalien zu erleichtern und so die Rekonstruktion römischer Zensurfälle aus unterschiedlichen Wissensbereichen (Theologie, Philosophie, Geschichte, Jura, Natur-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Literatur) zu ermöglichen. Langfristig ist eine quellenfundierte Behördengeschichte geplant.

StichwörterBuchzensur durch Römische Inquisition und Indexkongregation; Index der verbotenen Bücher; Römische Kurie; Wissenskulturen; Wissenssteuerung; Buchgeschichte; Grundlagenforschung; prosopographische Forschung
Webseite des Projektshttp://www.buchzensur.de
FörderkennzeichenWO 851/1-7
Mittelgeber / Förderformat
  • DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung

Projektleitung der Universität Münster

Wolf, Hubert

Antragsteller*innen der Universität Münster

Wolf, Hubert

Projekte der vorangehenden Förderperiode

Laufzeit: 01.01.2004 - 31.12.2006 | 2. Förderperiode
Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung
Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt
Laufzeit: 01.01.2002 - 31.12.2003 | 1. Förderperiode
Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung
Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt
Laufzeit: 01.01.2007 - 31.12.2009 | 3. Förderperiode
Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung
Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt

Projekte der nachfolgenden Förderperiode

Laufzeit: 01.01.2013 - 31.12.2015 | 5. Förderperiode
Gefördert durch: DFG - Sachbeihilfe/Einzelförderung
Art des Projekts: Gefördertes Einzelprojekt