Das episodische Gedächtnis speichert Erinnerungen an spezifische, persönlich erfahrene Ereignisse. Es spielt eine wichtige Rolle in vielen unterschiedlichen Situationen, zum Beispiel in so ungleichen Paradigmen wie das Listenlernen und das autobiographische Interview. Wir betrachten diese zwei Paradigmen als Extreme im einem Spektrum experimenteller Paradigmen, die das episodische Gedächtnis aktivieren. Diese Forschungsgruppe fokussiert bisher wenig erforschte Paradigmen, die in der Mitte dieses Spektrums liegen, hoch relevant im Alltag sind und komplexe Abrufprozesse aktivieren, die weit über traditionelle hetero- und auto-assoziative Gedächtnismodelle hinausgehen. Zum Beispiel, wenn Sie versuchen sich während der Fahrt zur Arbeit daran zu erinnern, ob Sie die Kaffeemaschine zu Hause ausgeschaltet haben, indem Sie die Sequenz Ihrer Handlungen während der Vorbereitung des Frühstücks im Kopf durchspielen. Oder wenn Sie versuchen die Argumente auf beiden Seiten eines Streits zu rekonstruieren, um zu beurteilen, ob Sie für die Eskalation (mit-)verantwortlich waren. Wir schlagen vor, dass in Fällen wie diesen die gewünschte Information unter Umständen nicht explizit im Gedächtnis abgespeichert wurde oder nicht direkt abrufbar ist. Stattdessen wird die Zielinformation aus einem Szenario extrahiert, das während des Abrufs konstruiert wird. Szenarien sind mentale Simulationen einer vergangenen Episode, welche in Raum und/oder Zeit ausgedehnt sind. Sie werden gespeist durch episodische Gedächtnisspuren, die die Quintessenz einer spezifischen Episode speichern, und semantische Information, die statistische Regularitäten der Welt abbilden. Szenariokonstruktion bringt die Flexibilität, um fehlende Daten aufzufüllen (Generativität) und um den Abruf den sich ändernden Anforderungen und Rahmenbedingungen anzupassen, die durch soziale Erwartungen und das Selbstmodel auferlegt werden. Das Ziel dieser Forschungsgruppe ist es, eine Theorie des episodischen Gedächtnisses, das auf Szenarien basiert, zu entwickeln. Dies erfordert die Beantwortung einiger fundamentaler Fragen: Was ist ein Szenario? Wie werden Information aus konstruierten Szenarien extrahiert? Was sind zentralen Eigenschaften des episodischen Gedächtnisses, die durch Szenariokonstruktion erklärt werden können? Welche kognitiven und neuronalen Mechanismen liegen ihr zu Grunde? Wie wird sie durch interne und externe Faktoren beeinflusst, insbesondere durch das Selbst und soziale Interaktionen? Welche Funktion erfüllt sie? Wir werden eine neue Klasse von experimentellen Paradigmen entwickeln, in denen Szenariokonstruktion zum Tragen kommt, und die Effekte der Szenariokonstruktion auf das Verhalten und die zu Grunde liegenden neuronalen Mechanismen mit Experimenten und computergestützten Modellen untersuchen. Des Weiteren werden wir einen interdisziplinären Rahmen der Szenariokonstruktion entwickeln und seine theoretischen Implikationen untersuchen.
Laufzeit: 01.07.2019 - 30.06.2023 | 1. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Forschungsgruppe Art des Projekts: Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert außerhalb der Universität Münster | |
Laufzeit: 01.09.2019 - 31.08.2022 | 1. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Forschungsgruppe Art des Projekts: Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert außerhalb der Universität Münster | |
Laufzeit: 01.11.2022 - 31.10.2025 | 2. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Forschungsgruppe Art des Projekts: Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert außerhalb der Universität Münster | |
Laufzeit: 01.10.2022 - 30.09.2025 | 2. Förderperiode Gefördert durch: DFG - Forschungsgruppe Art des Projekts: Teilprojekt in DFG-Verbund koordiniert außerhalb der Universität Münster |