Bubert, Marcel; Doering, Pia Claudia
Forschungsartikel (Buchbeitrag) | Peer reviewedDie Frage, ob oder inwieweit Fake News ein genuin modernes Phänomen darstellen, ist nach wie vor umstritten. Nach begrifflichen Erläuterungen über Fake News, Falschheit, Fälschung und ‚Halbwahrheiten‘ wird in diesem Beitrag ein methodischer Ansatz skizziert, der Fake News nicht als a priori ‚falsche‘ Nachrichten, sondern vielmehr als Faktenbehauptungen versteht, die von zeitgenössischen Beobachter:innen in einer bestimmten Teilöffentlichkeit als falsch deklariert und kommuniziert wurden. Insofern es dabei um die Frage geht, unter welchen Bedingungen diese Zuschreibungen auf Akzeptanz oder Ablehnung stießen, muss der Blick auch auf die spezifischen Praktiken der Evidenzherstellung gerichtet werden, die zur Durchsetzung von Geltungsansprüchen dienten. In diesem Zusammenhang werden Techniken vorgestellt, die im Mittelalter zum Einsatz kamen, um die ‚Falschheit‘ von Behauptungen oder Objekten mit Evidenz zu versehen. Gleichzeitig wird gezeigt, dass die ausgetragenen Deutungskämpfe unter zeitgenössischen Beobachter:innen auch Reflexionen über die Grenzziehung zwischen wahren und falschen Aussagen anregten. Die Literatur stellt dabei ein besonderes Beobachtungsmedium dar, das an der Differenzierung spezifischer Formen von Falschheit, wie Fälschung, Fake oder Betrug, beteiligt war. Gleichzeitig machten mittelalterliche Autor:innen die verleumderischen Effekte kursierender Falschaussagen zum Thema. Daran wird deutlich, dass die Aushandlung von Falschheit im Mittelalter auch mit Reflexionen über die sozialen Wirkungen von Fake News einhergehen konnte.
| Bubert, Marcel |