Abfall in Bewegung. Mobilisierungen von Abfällen und Schadstoffen als soziomaterielle Konfiguration
Grunddaten zu diesem Projekt
Art des Projektes: Gefördertes Einzelprojekt
Laufzeit an der Universität Münster: 01.10.2022 - 30.09.2025 | 1. Förderperiode
Beschreibung
Der Umgang mit stetig steigenden Mengen oft hochgradig mobiler Abfälle
und Schadstoffe gilt als eine der größten sozialökologischen
Herausforderungen der heutigen Zeit. Dennoch wird Abfall als sozial- und
kulturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand in der deutschsprachigen
Humangeographie sowie benachbarten Disziplinen bislang nur wenig
beachtet. Das geplante Netzwerk begegnet dieser Leerstelle, indem es
eine interdisziplinär ausgerichtete und von den angloamerikanischen
Waste und Discard Studies inspirierte Forschungsperspektive entwickelt.
Abfälle und Abfallbewegungen werden aus dieser Perspektive dezidiert als
Effekt soziomaterieller Relationen von Dingen, sozialen Praktiken und
Infrastrukturen untersucht. Konzeptioneller Ansatzpunkt sind dabei
Prozesse und Praktiken der Mobilisierung von Abfall. Das
Forschungsprogramm des Netzwerkes zielt darauf ab, diese Prozesse und
Praktiken entlang von drei zentralen konzeptionellen Achsen genauer zu
bestimmen, zu verstehen und so zu nachhaltigeren Handlungsweisen
beizutragen: Erstens werden soziomaterielle Praktiken der Transformation
im Rahmen der Bewertung und Klassifizierung von Abfall untersucht
(„Mobilisierung als Transformationsprozess“). Zweitens wird analysiert,
wie sich Schadstoffe und Abfälle aufgrund ihrer stofflichen
Eigenschaften, sozialen und materiellen Beziehungen in Bewegung setzen
und konfigurieren („Materialisierung in Relationen“). Ausgehend von der
Langlebigkeit moderner Abfälle wird drittens die Rolle der Zeitlichkeit
betont, nach den Konsequenzen nicht endgültig abschließbarer Entsorgung
gefragt und es werden vor diesem Hintergrund mögliche alternative
Praktiken der (Für-)Sorge ausgelotet („Zeitlichkeiten der (Für-)Sorge“).
Ziel des Netzwerks ist die Etablierung eines interdisziplinären
Diskussionszusammenhangs zur sozial- und kulturwissenschaftlichen
Abfallforschung. Daraus soll eine längerfristige fächerübergreifende
Forschungskooperation über die Netzwerkthematik hervorgehen, die auch
über die Förderungsperiode hinaus zur stärkeren Wahrnehmung des
Forschungszweigs beiträgt. In diesem Rahmen ist die Publikation eines
deutschsprachigen Open Access-Handbuchs (1) geplant, das die inhaltliche
Arbeit entlang der drei oben genannten heuristischen Achsen abbildet
und das emergente Feld der Waste und Discard Studies für die
deutschsprachige Forschung und Lehre erschließt. Im Rahmen der
Entwicklung eines gemeinsamen begrifflichen Instrumentariums wird eine
Webpräsenz aufgebaut, die in Form eines Online-Glossars (2) sowie per
Visual Storytelling („Scrollytelling“) (3) die Ergebnisse des
kollaborativen Arbeitsprozesses bündelt und öffentlich sichtbar macht.
Als längerfristiges Ergebnis sollen die Netzwerkkontakte und die
inhaltlichen Diskussionen über die Förderperiode hinaus verstetigt
werden, um die Beantragung eines internationalen Forschungsprojekts (4)
anzubahnen.
Stichwörter: Abfallforschung
Förderkennzeichen: ID 102/1-1 | DFG-Projektnummer: 503738037
Mittelgeber / Förderformat: - DFG - Wissenschaftliche Netzwerke
Projektleitung der Universität Münster
Antragsteller*innen der Universität Münster
Projektbeteiligte Organisationen außerhalb der Universität Münster
- Deutsches Schifffahrtsmuseum - Leibniz-Institut für Maritime Geschichte (DSM)Deutschland