Ressentiment als affektive Grundlage von Radikalisierung

Grunddaten zu diesem Projekt

Art des ProjektesBeteiligung an einem bundesgeförderten Verbund
Laufzeit an der Universität Münster01.11.2020 - 31.12.2025

Beschreibung

Das Forschungsvorhaben interessiert sich für den kulturellen Boden, auf dem islamische Radikalisierung gedeihen und Resonanz finden kann. Es geht der Frage nach, welchen Anteil die Ausbildung einer kulturrelevanten Affektlage der Unterlegenheit und des Ressentiments unter Musliminnen und Muslimen an Prozessen ihrer Radikalisierung hat. ‚Ressentiment‘ bezeichnet dabei die Verfestigung eines Gefühls der Kränkung, das negative soziale Erfahrungen hypostasiert und positive Ansätze einer Verbesserung der Lage entwertet. Es drückt sich in Polarisierungen zwischen den Bevölkerungsgruppen entlang ethnischer und religiöser Grenzziehungen aus. Diese beziehen sich auf negative Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen der Diskriminierung im Alltag, die im Ressentiment von ihrem pragmatischen Sachzusammenhang abgekoppelt werden und eine Eigendynamik gewinnen, die schließlich gegenüber den möglichen positiven Erfahrungen mehr oder weniger resistent bleiben. Um die Spezifik ressentimentgeladener Affektlagen herauszuarbeiten, sind ressentimentfreie Selbst- und Fremdwahrnehmungen in der Mehrheits-/Minderheitsfiguration für unser Vorhaben ebenfalls von Interesse. Das Projekt ist quantitativ und qualitativ angelegt. Eine repräsentative Befragung soll Ausprägungen und Verbreitung von sozial, religiös und politisch aufgeladenen Ressentiments unter in Deutschland lebenden muslimischen Einwanderern erfassen. Zum anderen ist geplant, Ziele und Organisationsstruktur islamischer Vereine und Assoziationen und dabei insbesondere die in diesen Milieus gepflegten Wahrnehmungsmuster und Einstellungen etwa zur nichtmuslimischen Umwelt zu analysieren. Diese Wahrnehmungsmuster sollen zugleich mit den Wahrnehmungsmustern in anderen muslimischen Milieus, die keinen Bezug zu den ressentimentgeladenen Gruppen haben, kontrastiert werden, um unterschiedliche Formen der Diskriminierungswahrnehmung und Differenzen in ihrer Verarbeitung herauszustellen.

StichwörterReligion; Religionssoziologie; Religionswissenschaften; Islamische Theologie; Soziologie; Islam
Webseite des Projektshttps://www.uni-muenster.de/ZIT/Aktuelles/2021/forschungsprojekt___ressentimentalsaffektivegrundlagevonradikalisierung___.html
Förderkennzeichen01UG2039
Mittelgeber / Förderformat
  • Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

Projektleitung der Universität Münster

Khorchide, Mouhanad
Pollack, Detlef
Tezcan, Levent

Antragsteller*innen der Universität Münster

Khorchide, Mouhanad
Pollack, Detlef
Tezcan, Levent

Wissenschaftliche Projektmitarbeiter*innen der Universität Münster

Bokler-Völkel, Evelyn Elke
Demmrich (verh. Kaboğan), Sarah
Ezli, Özkan
Müller, Olaf

Publikationen der Universität Münster entstanden im Projekt

Evelyn Bokler; Sarah Demmrich; Özkan Ezli; Mouhanad Khorchide; Olaf Müller; Detlef Pollack; Levent Tezcan (2025)
In: Shaimaa Abdellah; Sina Tultschinetski; Julian Junk; Manuela Freiheit (Hrsg.), Islamismus als gesellschaftliche Herausforderung: Ursachen, Wirkungen, Handlungsoptionen327-366WiesbadenSpringer VS.
Forschungsartikel (Buchbeitrag) | Peer reviewed | Veröffentlicht
Demmrich, Sarah; Pollack, Detlef; Müller, Olaf; Rosta, Gergely (2025)
In: Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politikonline. doi:10.1007/s41682-025-00233-7
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewed | Veröffentlicht