Promotionsprojekt: Förderung mündlichen Erzählens von erwachsenen DaF-Lernenden durch performatives Storytelling mit Kamishibai

Grunddaten zu diesem Projekt

Art des ProjektesEigenmittelprojekt
Laufzeit an der Universität Münsterseit 01.04.2025

Beschreibung

Das mündliche Erzählen von Geschichten (engl. storytelling) fasziniert, insbesondere als literarische Kunstform, in allen Kulturen und Gesellschaften. Gleichzeitig bildet es eine komplexe Diskurspraktik, die im (Fremd-)Spracherwerb erlernt werden muss. Während der mündliche Erzählerwerb von Kindern mit Deutsch als Erstsprache (vgl. u.a. Ehlich 1983, Quasthoff 2009, Becker & Stude 2017, Quastoff & Stude 2018) sowie mit Deutsch als Zweitsprache (vgl. u.a. Danner 2012, Hauck-Thum 2017, Naujok 2018, Wardetzky 2019, Roshan 2020) relativ gut erforscht ist, bestehen hingegen nahezu keine Einblicke für entsprechendes Erzählhandeln junger Erwachsener im deutschen Fremdspracherwerb (DaF). Das Promotionsprojekt untersucht Kamishibai als performative Erzählmethode zur multimodalen Narrationsförderung im DaF-Unterricht mit Erwachsenen. Eine spezifische Form des oralen Erzählens bildet das künstlerische Erzählen, welches Sprache, Prosodie, Gestik, Mimik sowie Proxemik verbindet (vgl. Wardetzy 2007, 2019). Bilder, Requisiten oder musikalische Elemente können Storytelling schließlich in ein ganzheitliches szenisches Erlebnis transformieren (vgl. Naujok 2018). Die Fremdsprachendidaktik fordert aktuell diese Ganzheitlichkeit sprachlicher Lernprozesse (vgl. Miladinovic 2019, Bryant & Zepter 2022, Knappik 2023). In diesem Kontext gewinnen performative Methode, wie das japanische Erzähltheater Kamishibai, an Anerkennung. Potenziale des Kamishibai im DaF-Unterricht sind jedoch bislang empirisch nicht belegt. Betrachtet wird, inwiefern sich mündliches Erzählhandeln bei erwachsenen DaF-Lernenden durch performatives Storytelling mit Kamishibai fördern lässt. Dazu werden mündliche Erzählperformances im universitären DaF-Unterricht in Indonesien videografiert, wobei eine Progression von rezeptivem zu reproduktivem Erzählen erfolgt. Eine Versuchsgruppe gebraucht Kamishibai zum Storytelling, die Vergleichsgruppen nutzen ein bilderbuchähnliches Design sowie freies Erzählen. Die multimodalen Transkripte werden mithilfe der Interaktionalen Diskursanalyse hinsichtlich der Organisation der Erzählinteraktion, der inhaltlichen Strukturierung sowie der multimodalen Gestaltung ausgewertet (vgl. Erzählaufgaben der Kontextualisierung, Vertextung und Markierung nach Quastoff et al. 2019). Das Promotionsvorhaben leistet einen empirischen Beitrag zur Erforschung des Kamishibais als fremdsprachendidaktisches performatives Erzählmedium sowie, gegebenenfalls, zu seiner internationalen Anerkennung. Die Befunde werden Aufschluss geben über Potenziale und Grenzen des Erzählmediums für erwachsene DaF-Lernende, woraus Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte abzuleiten sind.

StichwörterKamishibai; Erzählen; Storytelling; mündliche Erzählfertigkeit; Deutsch als Fremdsprache; DaF; multimodale Interaktion; performatives Lernen; Unterrichtsvideografie; Interaktionsanalyse; Fremdsprachendidaktik; Interventionsstudie
Webseite des Projektshttps://www.uni-muenster.de/Promotionskolleg-Sprachwissenschaft/Personen/Promovierende/AnnaGausepohl.html

Projektleitung der Universität Münster

Gausepohl, Anna