Katrin Burja
Research article (book contribution) | Peer reviewedFreiheit einräumen, Liebesfähigkeit stärken und der Abhängigkeit von Zuwendung Rechnung tragen, sind laut Wilfried Engemann Grundmomente einer gelingenden, christlich-religiösen Praxis. Heteronormativ geprägte (Denk)Strukturen in Kirche und Theologie stehen im Widerspruch zu diesen Grundmomenten, indem sie durch (partielle) Entrechtung die Freiheit queerer Christ:innen einschränken, deren Liebe zu sich selbst und zu anderen pathologisierend in Frage stellen und solidarische Zuwendung verweigern. Beschämung findet hier ihren Ausdruck in der Missachtung der Anerkennungsformen Liebe, Recht und Solidarität. Wenn queere Christ:innen im Allgemeinen und queere Pfarrer:innen im Besonderen als Menschen im christlichen Kontext „zum Vorschein kommen“, geschieht dies in dem Glauben an die unverbrüchliche Liebe Gottes, welcher in der selbstbestimmten Gestaltung von authentischen Liebesbeziehungen in den Modi Selbst- und Nächstenliebe Rechnung getragen wird. Damit emanzipieren sie sich als Christ:innen sichtbar von beschämenden Normen und Diskursen (Entschämung), die eine liebevolle Bezogenheit auf sich selbst und auf andere Menschen in Frage stellen. In diesem Sinne kann das Coming-out queerer Christ:innen verstanden werden als ein Akt der Aneignung christlicher Freiheit durch Entschämung (Shameless Pride) und damit als eine Ausdrucksform christlicher Lebenskunst.
Burja, Katrin | Professorship of Practical theology with a focus on homiletics, liturgy, pastoral care and church leadership (Prof. Roser) |