Feistauer, Daniela; Richter, Tobias
Research article in edited proceedings (conference)Ausgehend von der Frage, wie zuverlässig studentische Einschätzungen der Lehrqualität sind, wird die Reliabilität in Form der Beurteilerübereinstimmung (Interrater-Reliabilität) der globalen Einschätzungen der Leistung der Lehrkraft und der Qualität der Lehrveranstaltungen fokussiert. Dazu wurde die Varianz dieser Einschätzungen mittels kreuzklassifizierter Mehrebenenanalysen mit Zufallseffekten in die einzelnen Varianzbestandteile Lehrkräfte, Lehrveranstaltungen, Studierende sowie - als ein neuer Aspekt - die Interaktion von Lehrkräften und Studierenden aufgesplittet. Sollte die Lehrqualität reliabel durch den eingesetzten Evaluationsfragebogen erfasst worden sein, müsste ein möglichst hoher Varianzanteil durch Lehrkräfte und Lehrveranstaltungen erklärt werden. Gleichzeitig sollten möglichst wenig Varianz durch Studierende erklärt werden und möglichst wenig unerklärte Varianz verbleiben. Die Stichprobe setzte sich aus 3403 Evaluationsfragebögen (Fragebogen zur Evaluation von Vorlesungen) von 699 Psychologie-Studierenden aus dem Institut für Psychologie der Universität Kassel zusammen. Die Summe der Varianzen, die durch Lehrkräfte und Lehrveranstaltungen erklärt wurden, war in drei der vier Modelle etwa zwei- bis dreimal so groß, wie die Varianz, die durch die Studierenden erklärt wurde. Zusammenfassend legen die Befunde nahe, dass mit den verwendeten globalen Variablen eine akzeptabel reliable Einschätzung der Lehrveranstaltung und der Lehrkraft erzielt werden kann. In jedem Fall sollte nur auf aggregierte Werte zurückgegriffen werden, um Aussagen über Lehrveranstaltungen bzw. Lehrkräfte zu treffen, da einzelne Evaluationen hohen Messfehlern unterliegen und eine starke interindividuelle Varianz aufweisen. Dies kann zum Beispiel durch die Studierenden oder die Kombination von Studierenden und Lehrkräften bedingt sein.
| Feistauer, Daniela | Institute of Psychology |