Der gespenstische Film bei Georges Méliès. Zur Neoromantik als Nobilitierungsstrategie im Frühen Kino

Brössel, Stephan

Research article (book contribution) | Peer reviewed

Abstract

Das kulturelle Leben um 1900 ist geprägt von einer Medienrevolution:Kino, Fernsprecher, Phonographen und Röntgenbilder verändern diealltägliche Wahrnehmung. Zugleich kehren in Kunst und Literaturdie Gespenster zurück: Während Körper erstmals medizinisch durchleuchtetund dem Auge Unsichtbares photographisch reproduzierbarwird, experimentieren literarische Texte mit einer »Romantik der Nerven« (H. Bahr) und erkunden grelle Effekte und subjektive Wahrnehmungsmusterauf ästhetische Weise. Eine gesteigerte Mobilität (u.a.durch das Automobil) verlagert Sehnsuchtsorte in ferne und schwererzu erreichende Sphären (Orient, Afrika, Weltall), was auch Kunst undLiteratur um 1900 zunehmend mit Exotismen anreichert. Darüberhinaus provozieren neue Erkenntnisse zur Physiologie vielfältige Medienkrisen(Subjekt-Krise, Sprach-Krise), die jeweils infrage stellen,was hinter den neuartigen Möglichkeiten der Wahrnehmung nochschlummern könnte. Phantastik und Mediengeschichte finden sich indiesem Zeitraum paradigmatisch miteinander verschränkt, sodass diezeitgenössisch viel diskutierte 'Neuromantik' zum literarhistorischenOrt wird, um über Möglichkeiten und Hoffnungen technologischenFortschritts zu reflektieren. Der Band kartographiert, wie vielfältiggerade eine Neoromantik um 1900 die Wechselwirkung zwischenTechnologie und Tradition verhandelt.

Details about the publication

EditorsStübe, Raphael; Tetzlaff, Stefan
Book titleGespenstische Technologie. Neoromantische Technik- und Medienreflexion um 1900
Page range47-74
PublisherKönigshausen und Neumann
Place of publicationWürzburg
StatusPublished
Release year2025
KeywordsGeorges Méliès; Früher Film; Neoromantik; filmisches Erzählen; Fantastik; Romantik

Authors from the University of Münster

Brössel, Stephan
Professorship of Modern German Literature with a focus on literature and media (Prof. Blödorn)