Wagner-Egelhaaf, Martina
Research article (journal) | Peer reviewedDer Beitrag greift die diskursive Omnipräsenz der ›Dämonen‹-Metapher auf und untersucht moderne und zeitgenössische Dämonenauftritte in der Literatur und auf der Theaterbühne. Der Ausdruck ›Dämon‹ ruft antike und christliche Traditionen auf, die in Dämonen Mittlerwesen zwischen den Göttern/Gott und den Menschen sehen, auch wenn sich die christliche Theologie mit beträchtlichem argumentativem Aufwand gegen eben diese Funktion der Dämonen verwahrt und ihnen, ohne ihre Existenz zu bezweifeln, ihren Ort im Heilsplan genommen hat. In einer postdämonischen Perspektive, die nach dem Ende der Dämonologien Dämonen als Akteure einer abstrakten Kategorie des Dämonischen begreift, wird gezeigt, wie in der Moderne antike und christliche Dämonenvorstellungen hybridisiert und zu Medien kommunikativer Konstellationen werden, die Problemkomplexe aufrufen und zugleich auf Distanz halten. Die Analyse fokussiert entsprechend die sprachlich-rhetorische Dimension dämonischer Kommunikation. Die modernen Dämonen wissen um ihre Metaphorizität und stellen sich dezidiert in den Prozess zwischen Zeichen und Bedeutung, indem sie den Raum dazwischen performativ ausagieren. Ihre Wirkkraft besteht in einer kaum stillzustellenden Bewegung des Übertragens. Herausgearbeitet werden familiengeschichtliche, politische und poetologische Dimensionen moderner Dämonenauftritte.
Wagner-Egelhaaf, Martina | Cluster of Excellence "Religion and Politics" |