Hoffmann, Jessica; Rusche, Matthias
Research article (journal) | Peer reviewedWas macht eine Stadt zu meiner Stadt? Städte sind als zentrale Begegnungsorte und Knotenpunkte moderner Gesellschaften zu verstehen. Dabei unterscheiden sie sich nicht nur entlang ihrer regionalen Lage und Einwohnerzahl, sondern insbesondere auch durch historische, kulturelle und städtebauliche Entwicklungen. Aktuelle Studien des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) weisen darauf hin, dass vor allem die Verbindungen der Bürger*innen mit ihrem Ort entscheidend für den Zusammenhalt und die Lebensqualität in der Stadt sind. In diesem Beitrag sind wir der Frage nachgegangen, welchen Merkmalen von Mittelstädten zivilgesellschaftliche und politisch-administrative Akteur*innen besondere Relevanz für die Verbindungen mit “ihrem” Ort beimessen. In der Studie wurde analysiert, wie sich Stadt-Labels (z. B. “die digitale Stadt” oder “die Mitmachstadt”) als Ausdruck institutioneller, strategischer Narrative, mit dem Engagement von zivilgesellschaftlichen Initiativen und ihrem Bezug zu ihrem Ort in Verbindung setzen lassen. Hierzu wurden 285 mittelstädtische Stadt-Labels entlang ihrer historischen, geographischen, politischen oder anderen bedeutenden Eigenschaften kategorisiert. Dabei stellten wir fest, dass nur ein Bruchteil dieser Labels politische oder Governance-Prioritäten wie Familienfreundlichkeit oder Bildung behandelt. Im Vordergrund standen zumeist geographische oder historische Attribute. Im Rahmen von drei Fallstudien wurden in einem zweiten Schritt zivilgesellschaftliche Akteur*innen in den Mittelstädten Ahaus, Schwerte und Greven interviewt und zu ihren Verbindungen mit ihrer Stadt befragt. Diese Ergebnisse wurden anschließend ins Verhältnis zu den offiziellen Labels gesetzt. Dabei konnten wir zeigen, dass der Differenzraum zwischen dem “top-down” konstruierten Label der Stadt und der “bottom-up” zivilgesellschaftlichen Perspektive gut geeignet ist, um sich den Besonderheiten von Mittelstädten zu nähern. Mit Blick auf die wahrgenommene Authentizität der offiziellen Labels und der Mitgestaltung der Stadt durch zivilgesellschaftliche Initiativen wurde deutlich, dass diese sich insbesondere dann gut in Verbindung miteinander setzen lassen, wenn die Labels mit den Leitbildern der Mittelstädte korrespondierten. Wir gehen davon aus, dass diese gesteigerte Authentizität sich positiv auf das Vertrauen in die Stadtverwaltung und die Verbindung der Bürger*innen mit ihrem Ort aus wirken und dadurch zu einer gesteigerten Lebensqualität führen.
| Hoffmann, Jessica | Institute of Sociology (IfS) |
| Rusche, Mathias | Professur für Kommunal- und Regionalpolitik (Prof. Kersting) |
Duration: 01/01/2023 - 31/12/2026 | 1st Funding period Funded by: DFG - Research Unit Type of project: Main DFG-project hosted at University of Münster |
| Something special?! An Analysis of Image Campaigns, City Identities and specific Characteristics of medium-sized Cities in Germany Hoffmann, Jessica; Rusche, Mathias (26/06/2024) Livable Cities, a Conference on Issues Affecting Life in Cities, City University of London Type of talk: scientific Talk |