EXC 212 C14 - Transnational Networks in the Pentecostal Evangelical Movement

Basic data for this project

Type of projectSubproject in DFG-joint project hosted at University of Münster
Duration at the University of Münster01/04/2009 - 31/12/2011 | 1st Funding period

Description

Die pfingstlich-evangelikale Bewegung zählt weltweit schätzungsweise 500 Millionen Anhänger. Pfingstliche und evangelikale Gruppen und Individuen agieren auf globaler wie lokaler Ebene und bewegen sich dabei in fluiden transnationalen Netzwerken und glokalen Zwischenräumen. Transnationale evangelikale Netzwerke besitzen die Eigenschaft, religiöse Identitäten über lokale und nationalstaatliche Grenzen hinweg in einem „dritten Raum“ (H. Bhabha) neu zu verhandeln und zu verorten und zugleich Relokalisierungen von Identitäten aufgrund sakraler Topographien mit Evangelisationsansprüchen zu verbinden. Die seit 1999 existierende Gebetskette „24-7 Prayer“ soll daher als ein markantes Beispiel transnationaler evangelikaler Vernetzung Ausgangspunkt des Forschungsprojektes werden. Die Gebetskette 24-7 Prayer wurde von dem Pastor Pete Greig in Südengland gegründet. Ziel war es in kleinen Gruppen einen Monat lang ununterbrochen (24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche) zu beten. Die Idee wurde von anderen pfingstlichen Gemeinden adaptiert und es wurden immer mehr so genannter Prayer-Rooms eröffnet. Mittlerweile sind mehr als 3.000 solcher Gebetsräume in 65 Ländern an diesem Netzwerk beteiligt. Im Durchschnitt beten jeweils 20-30 Gruppen aus etwa zehn verschiedenen Ländern gleichzeitig. Das Netzwerk wird über eine internationale Homepage und jeweils weiteren nationalen Internetseiten virtuell organisiert. Transnationale Netzwerke wie 24-7 Prayer dienen dabei sowohl der Inszenierung globaler religiöser Identitäten (24-7 Prayer als Marke) sowie der Integration lokaler Identitäten in globale religiöse Gemeinschaften, die ein universelles Zugehörigkeitsgefühl vermitteln. Somit erzeugt die Gebetskette transnationale Identitäten, die einerseits Teil einer diachronen religiösen (Gebets-)Bewegung und andererseits die eines synchronen Netzwerks werden. Durch Prozesse der Transnationalisierung werden lokale religiöse Kontexte enträumlicht und Identitäten in virtuellen und realen Interaktionsketten (Randall Collins) neu vernetzt, wobei kulturelles (religiöses) Kapital (P. Bourdieu) zum treibenden Faktor transnationaler Netzwerkidentitäten (M. Castells) wird. Auf diese Weise generieren transnationale evangelikale Netzwerke „sakrale“ Identitätspolitiken (Stuart Hall) wobei die Idee der Etablierung des „Reichs Gottes“ durch Gebet und Evangelisation eine wesentliche politische und strategische Rolle einnimmt. Der Globalisierungsprozess von Religionen und die Transnationalisierung von religiösen und sozialen Netzwerken bieten religiösen Individuen und Gruppen daher nicht zuletzt durch technische Innovationen und virtuelle Netzwerke immer mehr Flexibilität und Mobilität für religiöse Praxis und Formen religiöser Vergemeinschaftung. Prozesse transnationaler Vernetzung im Kontext pfingstlich-evangelikaler Gruppen generieren aber nicht nur unifizierende religiöse Visionen im Sinne einer „imagined global community“, sondern auch neue sakrale Landschaften. So werden durch sakrale Topographien noch zu evangelisierende Regionen der Welt wie etwa das „10/40 Window“ diskursiv erzeugt und verbreitet. Insbesondere pfingstlich-evangelikale Gruppen nutzen dabei die Möglichkeiten einer Re-sakralisierung säkularer Räume durch transnationale Kooperationen der Evangelisation. Auch werden dem fundamental-evangelikalen Gedankengut dabei nur noch wenige nationale und kulturelle Grenzen gesetzt. Das Projekt soll daher nicht nur auf politische und religiöse Institutionen als Voraussetzungen für religiöse Netzwerke rekurrieren, sondern den Entstehungsprozess von integrativen religiösen Netzwerken analysieren, die sich als transnationale Handlungsverknüpfungen oder Handlungsräume erst diskursiv manifestieren. Religiöse Akteure nutzen fluide Netzwerke, um neue soziale Räume in ihrer alltäglichen Glaubenspraxis und Identitätspolitik zu kreieren und sind dadurch selbst an transnationalen Institutionalisierungs- und Integrationsprozessen beteiligt. Das geplante Projekt greift damit den dynamischen Prozess transnationaler Identitätsbildung auf und fragt, wie religiöse Alltagshandlungen und globale evangelikale Vorstellungen in transnationale Netzwerke eingebettet und dabei integrative und zugleich exklusivistische religiöse Identitätspolitiken verhandelt werden.

KeywordsTransnationale Netzwerke
Website of the projecthttp://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/forschung/projekte/c14.html
Funder / funding scheme
  • DFG - Cluster of Excellence (EXC)

Project management at the University of Münster

Schüler, Sebastian

Applicants from the University of Münster

Schüler, Sebastian

Research associates from the University of Münster

Pollack, Detlef

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Duration: 01/11/2007 - 31/10/2012 | 1st Funding period
Funded by: DFG - Cluster of Excellence
Type of project: Main DFG-project hosted at University of Münster