Richter, Malin Zoe
Sonstige wissenschaftliche VeröffentlichungDigitale Methoden der Durchführung qualitativer Sozialforschung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Es besteht jedoch Unsicherheit darüber, ob diese sich überhaupt für qualitative Forschung eignen – insbesondere hinsichtlich (nonverbaler) Interaktion und Tiefe der Exploration. Auf der anderen Seite versprechen Online-Erhebungsmethoden wie asynchrone Online-Gruppendiskussionen (AOGD) über WhatsApp forschungspraktische Vorteile und erhöhte Feldnähe. Bisher liegt keine methodologische Auseinandersetzung mit Online-Gruppendiskussionen mit Jugendlichen vor. Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit der Eignung von AOGD für die qualitative Exploration der sozialen Medienaneignung Jugendlicher und entwickelt dabei Empfehlungen für ihre Konzeption. Dazu dienen eine systematische Literaturauswertung und ein empirischer Vergleich von Gruppendiskussionen mit 12- bis 15-jährigen Teamsportlern zum Thema Sportstars. Aus der Literaturanalyse ergeben sich vier zentrale Vergleichskategorien: Forschungspraktische Aspekte, Ergebnisquantität, inhaltlich-qualitative Merkmale und Beurteilung durch Teilnehmende. Forschungsergebnisse in den vier Kategorien machen deutlich, dass AOGD nicht defizitär, sondern komplementär zu klassischen Gruppendiskussionen sind. Zudem kann konzeptionell Potenzial für die Forschung mit Jugendlichen herausgestellt werden. Aus der empirischen Auseinandersetzung ergeben sich jedoch auch einige begrenzende Faktoren. Zentral ist, dass AOGD zugunsten erhöhter Feldnähe und Flexibilität weniger Verbindlichkeit aufweisen. Aufgrund ihrer prägenden Merkmale sind sie besser geeignet, wenn Diskussionsthemen umfangreich oder kontrovers sind. Besondere Aufmerksamkeit muss der Konzeption und Moderation zufallen, um Diskussionspotenzial herzustellen. Weiterer Forschungsbedarf besteht insbesondere hinsichtlich geeigneter methodischer Ausgestaltung bei der Forschung mit Jugendlichen.
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