Marej, Katarina
Forschungsartikel (Buchbeitrag) | Peer reviewedDer Beitrag untersucht Vertrauen als fragile Ressource politischer Kultur in der algorithmischen Gesellschaft und versteht es als relationale, medial gestaltete Praxis. Er entwickelt einen weiten Vertrauensbegriff, der Vertrauen systematisch mit Vertrautheit, Zutrauen und Zuversicht verschränkt, und systematisiert Relationen, Modi und Begründungsmuster von Vertrauen, um empirische Zugänge zu eröffnen. Am Beispiel des Romans Qualityland von Marc-Uwe Kling wird dann gezeigt, wie algorithmische Infrastrukturen durch Scoring, Empfehlungen und Objektivitätsversprechen Vertrauen „by design“ erzeugen. Vertrauen fungiert zunächst als selbstverständliche Infrastruktur algorithmischer Ordnung, wird jedoch im Verlauf des Romans zum Gegenstand von Deutungs- und Positionierungskämpfen. Humor wirkt dabei als Medium kritischer Distanzierung: Er erzeugt epistemische Unsicherheit und eröffnet Räume, in denen Leser:innen ihre eigene Vertrauensrelation zu digitalen Systemen reflektieren. Der Beitrag arbeitet auf zwei Ebenen: Er analysiert die im Roman entworfenen Vertrauensordnungen und reflektiert zugleich dessen mediale Wirksamkeit. Qualityland erscheint so nicht nur als Modell algorithmischer Vertrauensregime, sondern als Medium, das reale Vertrauensverhältnisse irritiert und zur Selbstverständigung über Demokratie, Vulnerabilität und Steuerungsfähigkeit beiträgt.
| Marej, Katarina | Professur für Methoden und Sozialstrukturanalyse (Prof. Weischer) Professur für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften (Prof. Szukala) |