Bendler, Jasper
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewedIn der kriminologischen Forschung zählt die individuelle Normorientierung zu den wesentlichen Erklärungsfaktoren für delinquentes Verhalten. Der Zusammenhang zwischen niedriger Normorientierung und erhöhter Delinquenz ist dabei empirisch vielfach belegt. Die Normorientierung selbst und insbesondere ihre Entwicklung wurden jedoch bislang kaum systematisch untersucht. In den letzten Jahren hat insbesondere die Situational Action Theory neben generellen Fragen zur persönlichen Normorientierung auch die Bedeutung ihrer Entwicklung für die Erklärung delinquenten Verhaltens hervorgehoben. In dieser Studie wird daher untersucht, wie sich die Normorientierung zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr verändert. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob von einer homogenen, themenunabhängigen Normentwicklung ausgegangen werden kann oder ob eine heterogene Entwicklung vorliegt. Dazu wurden Daten aus fünf Panelwellen der Studie Kriminalität in der modernen Stadt (CrimoC) (n = 2,574) sowie zehn Normitems (gewalt-, diebstahl-, substanz- und vandalismusbezogen) analysiert. Mithilfe verschiedener latenter Wachstumsmodelle konnten differenzierte Entwicklungsmuster identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Normorientierung Jugendlicher nicht einheitlich, sondern deutlich themenspezifisch entwickelt. Eine homogene Normentwicklung kann somit ausgeschlossen werden.
| Bendler, Jasper | Institut für Kriminalwissenschaften |