Auditorische Verarbeitung beim idiopathischen Stottern

Grunddaten zu diesem Projekt

Art des ProjektesEigenmittelprojekt
Laufzeit an der Universität Münster01.02.2002 - 31.12.2008

Beschreibung

Das Kernverhalten des Stotterns besteht aus Repetitionen, Prolongationen und Blocks. Stottern setzt in den meisten Fällen zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr ein (American Psychiatric Association, 1987). Nach van Riper (1982) soll die auditive Rückmeldung im Zuge der kindlichen Entwicklung an Bedeutung verlieren, sobald keine Meldungen über falsch gesprochene Wörter mehr auftreten. Im Verlauf der Sprachentwicklung wird diese Kontrollfunktion vom taktil-kinästhetischen System und der Tiefensensibilität (Lage und Bewegungsempfindung) des Sprechapparates übernommen. Bei Stotterern soll die Dominanz des akustischen Kontrollsystems bestehen bleiben. Bekannt ist, dass bei gehörlosen Patienten sehr selten Stottern auftritt. Bisher durchgeführte Studien mit bildgebenden Verfahren wie PET und MRT weisen auf eine Störung des Motorsystems, eine gestörte Lateralisation von Spracharealen und Funktionen des auditorischen Kortex oder auf eine Störung im Netzwerk von Motorarealen und auditorischem Kortex im Zusammenwirken bei der Sprachproduktion hin. Magnetoenzephalographische Untersuchungen ergeben ein ähnlich uneindeutiges Bild der kortikalen Ursachen des Stotterns, das von Störungen der auditiven Rückkopplung, einer Veränderung der Lateralisation von Spracharealen bis zu einer Veränderung im Zusammenwirken von Motorplanung und auditorischem System reicht. Um eine Aussage über die zeitliche Verarbeitung im auditorischen Kortex zu erhalten, wurden Einzelstimuli kurz aufeinander folgend in Gruppen wiederholt und die Habituation der Hirnantworten betrachtet. Um die zeitliche Dynamik der Hirnantworten auflösen zu können, wurde die Aktivität des auditorischen Kortex über die Magnetenzephalographie aufgezeichnet. Die Ergebnisse zeigen, dass die zeitliche Verarbeitung von komplexen Tönen im auditorischen Kortex von Stotternden gegenüber Normalsprechenden differiert. Die N1-Komponente tritt beim Stotternden verzögert auf und es findet eine geringere bzw. gar keine Habituation bei kurz aufeinander folgenden Stimuli statt. Dies kann Auswirkungen auf die Rückkopplung des Gesprochenen über den auditorischen Kortex und der dann folgenden Verarbeitung haben. Es ist ebenso möglich, dass die zeitlichen Unterschiede eine Folge der Kompensation bei Stotterern sind.

StichwörterStottern; Magnetoenzephakographie; Habituation; Auditorischer Kortex

Projektleitung der Universität Münster

Zehnhoff-Dinnesen, Antoinette
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie

Wissenschaftliche Projektmitarbeiter*innen der Universität Münster

Deuster, Dirk
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
Knief, Arne
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
Schmidt, Claus-Michael
Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie