Prädiktion der Ototoxizität von Cisplatin: Audiologie, Molekulargenetik, Klinik, Früherkennung, Spätfolgen

Grunddaten zu diesem Projekt

Art des ProjektesEigenmittelprojekt
Laufzeit an der Universität Münsterseit 01.01.2005

Beschreibung

Die Entwicklung einer Hörstörung unter ototoxischer Medikation zeigt eine hohe interindividuelle Streuung. Die Pharmakokinetik, die Applikationsdosis der Medikamente und das Alter der Patienten erklären diese Unterschiede nicht hinreichend. Daher untersucht unsere Klinik geno- und phänotypische Merkmale der Patienten, die die unterschiedliche Inzidenz der Entwicklung einer Hörstörung erklären können. In einer prospektiven Studie wurde bei kinderonkologischen Patienten, die eine cisplatinhaltige Chemotherapie erhielten, ein pädaudiologisches Monitoring durchgeführt (Lanvers-Kaminsky et al., 2006). Die Zusammenhänge zwischen Hörvermögen, Platinkonzentration und laborchemischen Parametern wurden untersucht. Es zeigten sich unter anderem eine höhere Inzidenz von Hörstörungen bei kontinuierlicher Gabe im Gegensatz zu Kurzzeitinfusionen von Cisplatin und kein signifikanter Einfluss der Plasmakonzentration des freien Platins oder des Lebensalters der Patienten auf die Entwicklung einer Hörstörung. In molekulargenetischen Studien konnte gezeigt werden, dass Zusammenhänge zwischen Polymorphismen der Glutathion-S-Transferase (GST) (Peters et al., 2000) und des LDL-Rezeptors Megalin (Riedemann et al., 2008) und der Entwicklung einer Hörstörung bestehen. Untersuchungen der mitochondrialen DNA (mtDNA) ließen den mitochondrialne Haplotyp J als prädisponierenden Faktor für die Entwicklung einer Hörstörung vermuten (Peters et al., 2003). In einer klinischen Studie wurde der Zusammenhang zwischen Irispigmentierung und Ototoxizität von Cisplatin.untersucht. Bisherige Studien zeigten diesbezüglich uneinheitliche Ergebnisse; die Rolle von Melanin wird kontrovers diskutiert.. Es zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Irispigmentierung und Häufigkeit oder Ausmaß einer Hörstörung (Martin et al., 2007). Die Augenfarbe ist somit kein verlässlicher Parameter zur Prädiktion einer Cisplatin-Ototoxizität. In aktuellen Untersuchungen wird der Einfluss spezifischer Proteine auf die Entwicklung einer Ototoxizität in knock-out-Mausmodellen untersucht. Der Hörverlust im Hochtonbereich gilt als Frühsymptom einer Innenohrschädigung durch Cisplatingabe. Wir haben eine eigene Klassifikation entwickelt. Diese zeigt eine hohe Sensitivität (1,0) zur Früherkennung von Hochton-Hörverlusten bei akzeptabler Spezifität (0,88). Alle Kinder, bei denen zunächst eine beginnende Hörstörung nach Münsteraner Klassifikation auftrat, entwickelten später einen manifesten Hörverlust. Unsere Einteilung kann helfen, die Cisplatin-Ototoxität früher zu erkennen und die audiologische Verlaufsbeurteilung verbessern (Schmidt et al., 2007). In einer aktuellen Untersuchung werden Veränderungendes Hörvermögens unter Cisplatin-Therapie in der Hochfrequenzaudiomerie bis 16 kHz beobachtet. In der Literatur wird der Cisplatin-induzierte Hörverlust als symmetrisch charakterisiert. Anhand eigener Daten gehen wir der Frage der Symmetrie des tonaudiometrisch dokumentierten Hörverlusts nach. Auch objektive Daten (Transitorisch evozierte otoakustische Emissionen (TEOAE) und Distorsionsprodukte otoakustischer Emissionen (DPOAE)) werden ausgewertet. Die Resultate zeigen einen im Mittel stärker ausgeprägten Hörverlust auf dem linken Ohr. Der Unterschied erreicht bei 4000, 6000 und 8000 Hz Signifikanzniveau (ANOVA) und ist bei Mädchen weniger ausgeprägt als bei Jungen (Schmidt et al., 2008).

StichwörterCisplatin; Ototoxizität; Kinder

Projektleitung der Universität Münster

Boos, Joachim
Ciarimboli, Giuliano
Jürgens, Franz Herbert
Schlatter, Eberhard
Zehnhoff-Dinnesen, Antoinette

Wissenschaftliche Projektmitarbeiter*innen der Universität Münster

Deuster, Dirk
Knief, Arne
Lanvers-Kaminsky, Claudia
Schmidt, Claus-Michael

Publikationen der Universität Münster entstanden im Projekt

Riedemann L, Lanvers C, Deuster D, Peters U, Boos J, Jürgens H, Zehnhoff-Dinnesen AA (2008)
In: Pharmacogenomics Journal8(1)23-28. doi:10.1038/sj.tpj.6500455
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewed | Veröffentlicht
Ciarimboli G, Deuster D, Knief A, Sperling M, Holtkamp M, Edemir B, Pavenstädt H, Lanvers-Kaminsky C, am Zehnhoff-Dinnesen A, Schinkel AH, Koepsell H, Jürgens H, Schlatter E (2010)
In: American Journal of Pathology176(3)1169-1180. doi:10.2353/ajpath.2010.090610
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewed | Veröffentlicht
Ciarimboli G, Deuster D, Knief A, Humberg J, Pavenstadt H, Zehnhoff-Dinnesen AA, Schlatter E (2009)
In: Pediatric Nephrology24(4).
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Veröffentlicht
Schmidt CM, Knief A, Lagosch AK, Deuster D, am Zehnhoff-Dinnesen A (2008)
In: Ear and Hearing29(6)830-837.
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Peer reviewed | Veröffentlicht
Deuster D (2008)
In: Anticancer Research28(5C).
Forschungsartikel (Zeitschrift) | Veröffentlicht
Alle Publikationen anzeigen (10)

Promotionen erfolgt im Projekt

Megalin-Polymorphysmen und individuelle Toleranz gegenüber dem ototoxischen Effekt von Cisplatin
Promovend*in: Riedemann, Lars | Betreuer*innen: Boos, Joachim; Zehnhoff-Dinnesen, Antoinette; Lanvers-Kaminsky, Claudia
Zeitraum: bis 17.12.2008
Promotionsverfahren erfolgt(e) an: Promotionsverfahren an der Universität Münster

Habilitationen im Projekt

Organic Cation Transporters: Regulation and Interaction with Drugs
Habilitand*in: Ciarimboli, Giuliano | Gutachter*innen: ???
Zeitraum: bis 14.02.2006
Habilitationsverfahren erfolgt(e) an: Habilitationsverfahren erfolgt(e) an der Universität Münster

Preisverleihungen erhalten für Projekt

KIND-Promotionspreis 2009
Verliehen von: Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie
Verliehen an: Riedemann, Lars
Verleihung erfolgte am: 15.09.2009
Art der Preisverleihung: Forschungspreis oder andere Auszeichnung