Die kulturelle und zugleich ästhetische Kategorie des Urbanen, die sich zum einen in der Gestaltung urbaner Räume, zum anderen in als urban definierten Kommunikations- und Repräsentationsformen manifestiert, ist für die mittels der Tagung geplante Neuperspektivierung des spanischen Dramas und Theaters des 20. und 21. Jahrhunderts von zentralen Bedeutung. Dennoch sind urbane Räume und deren Wahrnehmungen und urbane Kommunikations- sowie Repräsentationsformen und deren vielfältige Implikationen für weitere Themenfelder im spanischen Drama und Theater des genannten Zeitraumes bislang noch nicht von der deutschen und auch nicht von der internationalen hispanistischen Forschung in den Blick genommen worden. Daher setzt sich diese internationale Tagung zum Ziel, erstmals, systematisch und umfassend die Kategorie des Urbanen in ihrer ästhetischen Diversität, Praxis und Komplexität sowie in ihren Formen und Funktionen zu erfassen und zu erörtern. Im Fokus stehen demnach zentrale Aspekte wie die Interferenz von urbanem Raum und Identität, die Problematik eines "gendered urban space", der Konnex von urbanem Raum und Memoria sowie von urbanem Raum und Exilerfahrung, die vielschichtigen Ausprägung einer spezifisch urbanen Kultur, urbane Kommunikations-, Lebens- und Repräsentationsformen, diskursive Strategien der Stadtaneignung und Stadtwahrnehmung etwa mittels eines Flâneur, die Dichotomie von urbanem und ländlichem Raum, Formen des Neoruralismus sowie die Implikationen des Urbanen für die Theaterinszenierung (Bühnenbild, Spiel der Schauspieler) und deren Wahrnehmung durch das Theaterpublikum. Eine solche erstmalige systematische Erfassung und Erörterung der Kategorie des Urbanen in ihrer ästhetischen Diversität und Komplexität sowie in ihren Formen und Funktionen muß anhand von vier methodisch-thematischen Zugriffsweisen erfolgen: ein grundlegender, methodisch-theoretisch fundierter Zugriff (ausgehend u.a. von Simmel, Foucault, Augé), ein Zugriff in historischer, ästhetischer und genderorientierter Perspektivierung, der mit Ramón María del Valle-Incláns dramatischen und theatralischen Innovationen beginnt und bis zum aktuellsten spanischen Drama und Theater herausragender Dramatikerinnen, Dramatiker und Theatertruppen führt, ein konkret durch Einzelanalysen realisierter Zugriff, der nicht nur das kastilische, sondern auch das katalanische Gegenwartstheater ausdrücklich einbezieht, ein praxis- und performanzorientierter Zugriff durch einen Regisseur sowie Dramatikerinnen und Dramatiker und Theaterwissenschaftler. Dank dieser innovativen methodischen und thematischen Zuspitzung ist es mir gelungen, überaus renommierte und bedeutende Spezialisten zum spanischen Drama und Theater aus Spanien, Frankreich und den USA zu einer gemeinsamen Arbeit am genannten Thema zusammenzuführen; die Zusagen zur Teilnahme an der Tagung von zwei Dramatikerinnen und zwei Dramatikern unterschiedlicher ‚Generationen‘ des spanischen Theaters erlauben es, auch produktionsästhetische Fragestellungen und die theaterpraktischen Implikationen des Themenkomplexes zu erörtern. Deshalb soll die hier geplante internationale Tagung auch in einer weiteren Hinsicht ein Forschungsdesiderat erfüllen: Sie setzt sich zum Ziel, der hispanistischen Dramen- und Theaterforschung zum 20. und 21. Jahrhundert einen entscheidenden neuen Impuls zu vermitteln und zugleich die internationale Forschungskooperation zu intensivieren. Um die oben beschriebene komplexe Zielsetzung der Veranstaltung möglichst facettenreich anhand der vier genannten Zugriffsweisen zu verwirklichen, sind deutsche und ausländische, überaus renommierte Spezialisten unterschiedlicher Fachgebiete sowie ausgewiesene Experten für das dramatische Werk namhafter Autoren und Autorinnen eingeladen worden, und zwar aus den folgenden unterschiedlichen fachlichen Bereichen: Literatur- und Kulturwissenschaft (Hispanistik und Katalanistik, Gender Studies, Exilforschung), Theaterwissenschaft (Centro de Documentación Teatral del Instituto Nacional de las Artes Escénicas y de la Música, welches dem spanischen Kultusministerium unterstellt ist) und Theaterpraxis; hier sind die vier teilnehmenden Dramatikerinnen und Dramatiker von herausragender Bedeutung.