Von 2015 bis 2019 führte das interdisziplinäre und internationale Peshdar-Plain-Project neun Ausgrabungskampagnen und vier Magnetometer-Prospektionen an einem vom Chalkolithikum bis in die sasanidische Zeit besiedelten und in der Eisenzeit ca. 60 ha großen Siedlungsbefund durch, dessen alter Name derzeit unbekannt ist. Da seine Ausdehnung zwei zuvor identifizierte archäologische Stätten Qalat-i Dinka und Gird-i Bazar umfasst, nennen wir ihn den Dinka Siedlungskomplex nach dem größeren der beiden Fundorte. Qalat-i Dinka liegt in der Peshdar-Ebene am Oberlauf des Unteren Zab im Zagros-Gebirge der Autonomen Region Kurdistan des Irak, direkt an der Grenze zum Iran. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die eisenzeitlichen Reste einer Festungsanlage auf dem Qalat-i Dinka sowie kleinteilige Wohn- und Werkstattgebäude auf dem flachen Hügel Gird-i Bazar in einer ausgedehnten Unterstadt. Im Bereich zwischen Qalat-i Dinka und Gird-i Bazar zeichnet sich in der Magnetometerprospektion eine dichte Besiedlung ab. Deutlich erkennbar ist eine Unterstadt ohne Umfassungsmauer, deren Straßennetz und Häuserblocks halbkreisförmig organisiert und um Qalat-i Dinka herum orientiert sind. Zahlreiche Gebäude sind klar zu erkennen und werden durch Straßen und Gassen getrennt. Mit neun 14C-Datierungen aus stratifizierten Kontexten in Ausgrabungsbefunden aller Grabungsstellen lässt sich die EZ II (1050-800 v. C.) als Hauptbesiedlungsphase fassen. Zwei neuassyrische Keilschriftfunde sowie drei 14C-Datierungen zeigen, dass der Dinka-Siedlungskomplex auch in der EZ III (800-600 v. C.) weiterhin bewohnt war. Dieser Antrag umfasst ein für drei Jahre geplantes Ausgrabungs- und Auswertungsprogramm in einem prominenten Teil der Siedlung. Die Magnetometer-Prospektion und die Ergebnisse einer 2017 durchgeführten Testgrabung zeigten die Überreste von drei bedeutenden Gebäuden (K: 280 m2, L: 800 m2, M: 650 m2) mit Lagereinrichtungen, die wesentlich größer und einen völlig anderen Charakter haben als die Häuser in Gird-i Bazar oder die sonst in der Unterstadt durch die Magnetometer-Prospektion sichtbaren Strukturen, weshalb es sich vermutlich um das zivile Zentrum handelt. Gebäude K, L und M sind ohne Schäden durch später angelegte Gräber, moderne Bau- oder Raubgräbertätigkeit unter den modernen Feldern leicht zugänglich, laufen aber Gefahr durch Pflügen zerstört zu werden, da die Ruinen stellenweise nur 20-25 cm unter der Oberfläche liegen. Die Ausgrabung der drei Gebäude eröffnet die Möglichkeit, erstmals für die Zagrosregion Nordostiraks und Nordwestirans ein ziviles Zentrum einer eisenzeitlichen Großsiedlung vor und in der Zeit der assyrischen Übernahme zu untersuchen. Dabei stehen die Organisation der indigenen Gesellschaft in Land- und Viehwirtschaft, die Ernährung und materieller Kultur sowie die Auswirkungen der imperialen assyrischen Expansion auf die Lebenswirklichkeit der Bewohner_innen des Dinka Siedlungskomplexes im Brennpunkt unseres Interesses.
| Kreppner, Florian Janoscha |
| Kreppner, Florian Janoscha |
Kreppner, Florian Janoscha; Radner, Karen; Squitieri, Andrea (2021) In: Dezső, Tamaś; Kalla, Gábor (Hrsg.), The Archaeology of the Raparin Region of Iraqi Kurdistan. A Review of Results from the Field and Directions of further Research, 73-92. Budapest: Eötvös University Press. Forschungsartikel in Sammelband (Konferenz) | Peer reviewed | Veröffentlicht | |
Kreppner, Florian Janoscha (2023) Webauftritt (öffentlich zugänglich) | Veröffentlicht | |
Kreppner, Florian Janoscha (2024) In: Teixeira-Bastos, Marcio; Carvalheiro Porto, Vagner (Hrsg.), Arqueologia do oriente antigo: A materialidade através do tempo, 196-215. Sao Paulo: / Instituto de Estudos Avancados, Universidade de Sao Paulo. doi:10.11606/9786587773674 Forschungsartikel (Buchbeitrag) | Peer reviewed | Veröffentlicht | |
Kreppner, Florian Janoscha (2024) In: Orientalistische Literaturzeitung, 119(4-5), 224-227. Rezension (Zeitschrift) | Peer reviewed | Veröffentlicht | |
Kreppner, Florian Janoscha; Rohde, Jens; Coster, Tarik; Willis, Tarik (2025) In: Thuesen, Ingolf; Haddow, Scott; Mazzucato, Camilla (Hrsg.), Proceedings of the 13th International Congress on the Archaeology of the Ancient Near East, 191-202. Wiesbaden: Harrassowitz. doi:10.13173/9783447123761 Forschungsartikel in Sammelband (Konferenz) | Peer reviewed | Veröffentlicht |
| Archäologische Schätze dreidimensional gehoben Kreppner, Florian Janoscha; Rohde, Jens; Westermeier, Mirko (14.11.2023) DATEN FÖRDERN UND VEREDELN: BRING DEINEN DATENSCHATZ ZU TAGE 3. Tag der Forschungsdaten in NRW, Münster Art des Vortrags: praxisorientierter Vortrag | |
| Bedrohung und Beschädigung des kulturellen Erbes in der Peshdar-Ebene am Beispiel der archäologischen Ausgrabungen in Qalat-i Dinka und Gird-i Bazar Kreppner, Florian Janoscha (05.10.2023) Protection and Preserving the Cultural Heritage and Artefacts in Archaeological Sites in the Raparin Administration, Rania Art des Vortrags: wissenschaftlicher Vortrag | |
| Assur. Erste Eindrücke und Ergebnisse von den neuen Feldforschungen im Frühjahr 2023 Kreppner, Florian Janoscha (06.07.2023) Kolloquium - Neue Forschungen zu Westasien im Altertum, Lehrstuhl für Altorientalistik an der Universität Würzburg, Würzburg Art des Vortrags: wissenschaftlicher Vortrag | |
| Die Grabungskampagnen 2021 und 2022 des Peshdar Plain Projekts in der Unterstadt des eisenzeitlichen Dinka-Siedlungskomplexes Kreppner, Florian Janoscha (23.05.2023) 13 International Congress on the Archaeology of the Ancient Near East, Kopenhagen Art des Vortrags: wissenschaftlicher Vortrag | |
| Peshdar Plain Project 2022 Kreppner, Florian Janoscha (13.12.2022) Workshop der AG Feldarchäologie, Münster Art des Vortrags: wissenschaftlicher Vortrag |