Dieses Projekt analysiert die Entstehung und Aushandlung liberaler Strömungen im Katholizismus und Islam in Europa. Dabei werden insbesondere drei Untersuchungsstränge verfolgt. Erstens geht es um die Frage, wie progressive Katholiken und Muslime ihre Religiosität im Zusammenhang mit liberalen Geschlechternormen verstehen und erleben. Auf diese Weise sollen die Dynamiken der Entkopplung und Neu-Kopplung des Nexus von Religion und Geschlecht entschlüsselt werden. Zweitens konzentriert sich das Projekt auf die Entstehung liberaler religiöser Initiativen auf der Mesoebene. Wie formieren sich liberale Moschee-Initiativen und Reformbewegungen innerhalb der katholischen Kirche und wie gehen die entsprechenden Akteure mit den Erwartungen der Gemeindemitglieder, aber auch dem politischen und institutionellen Druck aus ihrem weiteren Umfeld um? In diesem Zusammenhang ist die Gegenüberstellung des organisationalen Wandels in Bezug auf Minderheiten- und Mehrheitsverhältnisse von besonderem Interesse. Drittens fragt das Projekt wie globale religiöse Reformbewegungen ihre Ideen und Überzeugungen in konkrete Politik und lokale Initiativen zu übersetzen versuchen. Es knüpft damit an theoretische Fragen global-lokaler und religiös-säkularer Übersetzungsdynamiken an. Insgesamt will das Projekt empirische und theoretische Beiträge zu Debatten über religiösen Wandel auf der individuellen und der organisationalen Ebene sowie zu der Dynamik liberaler religiöser Bewegungen liefern.
| Harms, Lisa | Professur für Religionssoziologie (Prof. Michalowski) |