Transformationen von Volk-Gottes-Vorstellungen. Eine vergleichende Untersuchung apokalyptischer Schriften aus der Zeit nach der Zerstörung des Zweiten Tempels (2 Bar und Apk)
Grunddaten zum Promotionsverfahren
Promotionsverfahren erfolgt(e) an: Promotionsverfahren an der Universität Münster
Zeitraum: 01.10.2018 - 08.12.2023
Status: abgeschlossen
Promovend*in: Dik, John
Promotionsfach: Theologische und religionsbezogene Forschung
2 Bar und Apk sind Werke, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels entstanden sind und die sich beide innerhalb der Strömung jüdischer Apokalyptik verorten lassen. Beide Werke wurzeln zutiefst in den Schriften Israels und der jüdischen Tradition; sie setzen Gottes Bundestreue zu Israel als seinem Volk voraus. Hier bleiben Apk und 2 Bar aber nicht stehen; die Autoren und deren Verstehensgemeinschaften ringen damit, wie Israel angesichts historischer Herausforderungen (z.B. die Tempelzerstörung) neu zu definieren ist. In einem ersten Schritt untersuche ich, wie beide Werke den Israelbegriff auf literarischer Ebene bestimmen. Dabei wird ein narrativer Ansatz verfolgt und Apk und 2 Bar als Geschichte vom Volk Gottes gelesen. Für beide Werke ist das Motiv des zwölfstämmigen Israels zentral, wobei Johannes dieses eschatologische Israel christologisch bestimmt und der Autor von 2 Bar als durch die Tora. Zudem wird die Figur des Volkes Gottes in ihrer Beziehung zu den Völkern untersucht. Neben dem semantisch-motivgeschichtlichen Vergleich wird der form- und gattungskritische Vergleich durchgeführt, wobei hier beide Apokalypsen genauer als „briefliche Apokalypsen“ definiert werden. In beiden Werken wird das Visionskorpus mit der Kommunikationsform des Briefes literarisch bestens verbunden, um so auf pragmatischer Ebene die Adressaten in ihrer Volk-Gottes-Identität zu ermutigen. Die Arbeit verortet sich innerhalb der Erforschung der jüdischen Apokalyptik, die mit Friedrich Lücke (1832) beginnt und in der die Johannesapokalypse als Teil dieser Strömung begriffen wird. Ein Vergleich zwischen 2 Bar und Apk lag bisher noch nicht vor und stellt das innovative Potenzial der Arbeit sowohl im Hinblick auf die Israel-Frage als auch im Hinblick auf form- und gattungskritische Zusammenhänge.