Gutachter*innen: De Vogelaer, Gunther; Köpcke, Klaus-Michael
Beschreibung
Das niederländische pronominale Genus befindet sich im Umbruch. Das ursprüngliche, lexikalische Genus wird zunehmend durch ein System abgelöst, in dem das Genus durch semantische Faktoren anhand einer Belebtheitshierarchie bestimmt wird. Dabei wird auf stark individuierte Referenten mit einem maskulinen Pronomen (het boek ‚das Buch‘ (ntr.) → hij ‚er‘) und auf schwach individuierte Referenten mit einem neutralen Pronomen (de olie ‚das Öl‘ (fem.) → het ‚es‘) verwiesen. Insbesondere im Norden des Dialektgebiets wird auch auf ursprünglich feminine Substantive mit einem maskulinen Pronomen verwiesen (die sog. Maskulinisierung), weshalb der Norden auf dem Weg zu einem pronominalen 2-Genera-System ist. Da neben der innovativen, semantischen Genuskongruenz und dem alten, lexikalischen System auch pragmatische Faktoren eine Rolle spielen, stehen derzeit zahlreiche Aspekte bei der Genuskongruenz in einem Spannungsverhältnis zueinander. Dieses synchrone System stellt einige Anforderungen an eine adäquate linguistische Beschreibung. Im Rahmen des Dissertationsvorhabens soll ein Korpus mit spontaner, interaktionaler Sprache von niederländischsprachigen Kindern im Alter zwischen drei und acht Jahren an verschiedenen niederländischen und flämischen Orten erstellt werden. Die Studie möchte einen Beitrag zur Sprache und zum Spracherwerb bei Kindern in standardfernen Varietäten leisten. Durch den Vergleich verschiedener Altersstufen bei Kindern soll untersucht werden, inwieweit sich das innovative, semantische Genus bei Pronomen in der niederländischen Sprache etablieren könnte.