Wie soziales bewertendes Feedback die Überzeugungen über sich selbst und andere prägt: Verhaltens- und neurophysiologische Studien
Grunddaten zum Promotionsverfahren
Promotionsverfahren erfolgt(e) an: Promotionsverfahren an der Universität Münster
Zeitraum: 02.01.2023 - 14.01.2026
Status: abgeschlossen
Promotionsfach: Psychologie
Abschlussgrad: Dr. rer. nat.
Form der Dissertationsschrift: kumulativ
Verleihender Fachbereich: Fachbereich 07 - Psychologie und Sportwissenschaft
Betreuer*innen: Straube, Thomas; Schindler, Sebastian
Gutachter*innen: Straube, Thomas; Bölte, Jens
Beschreibung
Sozial-evaluatives Feedback spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Selbstbildes und die Einschätzung anderer Personen. Stimmen Selbstbild und Feedback nicht überein, werden diese Diskrepanzen durch Anpassungen des Selbstbildes oder durch Meinungsänderungen über den Sender reduziert. Positives, unerwartetes Feedback führt typischerweise zu positiven Veränderungen des Selbstbildes, während Personen mit depressiven Symptomen weniger positive Informationen zu integrieren und negative stärker verallgemeinern. Unklar ist, wie Merkmale der Feedbacksender:innen (z.B. Relevanz, Expertise, Valenz) sowie individuelle Unterschiede in depressiven Symptomen die Verarbeitung und Integration von Feedback in Selbstbild und Erwartungen beeinflussen und welche neuronalen Grundlagen diesen Prozessen zugrunde liegen. Diese Fragen wurden in drei Studien mittels Elektroenzephalografie (EEG) und Verhaltensmaßen untersucht. Es wurde erwartet, dass positives Feedback bei gesunden Teilnehmenden zu stärkeren Anpassungen des Selbstbildes und der Erwartungen führt, während bei höheren depressiven Symptomen sowie bei negativem Feedback geringere Anpassungen auftreten. Hinsichtlich der neuronalen Maße wurde erwartet, dass Sender- und Feedbackcharakteristiken spezifische ereigniskorrelierte Potenziale (EKPs) modulieren. Dazu zählen die Early Posterior Negativity (EPN), die Feedback-Related Negativity (FRN) und das Late Positive Potential (LPP). In Studie I zeigte sich, dass die Erwartungen gegenüber den Sender:innen entsprechend der Valenz angepasst wurden, jedoch stärker bei negativen Sender:innen. Selbstrelevantes Feedback verstärkte EPN und LPP, Erwartungsverletzungen beeinflussten die FRN. In Studie II passten sich die Erwartungen schnell an die Valenz der Sender an und das Selbstbild wurde durch positive Sender aufgewertet und durch negative Sender abgewertet. Erwartungsverletzungen modulierten die FRN und Inkongruenzen zwischen Selbstbild und Erwartungen das LPP, welches zudem mit der Stärke der Selbstbildanpassung assoziiert war. In Studie III gingen depressive Symptome mit negativeren Erwartungen und einer reduzierten Positivitätsverzerrung einher, insbesondere bei negativem Feedback von Expert:innen und geringerer Anpassung bei positivem Peer-Feedback. Die FRN reagierte erneut auf Erwartungsverletzungen, während das LPP durch Inkongruenzen und den Schweregrad depressiver Symptome beeinflusst wurde. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Aktualisierung von Selbstbild und Erwartungen vom Zusammenspiel der Feedbackvalenz, der Relevanz des Senders und individuellen Empfängermerkmalen abhängt. FRN und LPP erwiesen sich als sensitive neuronale Marker dynamischer Überzeugungsveränderungen und tragen zum Verständnis der neuronalen Mechanismen der Verarbeitung sozial-evaluativen Feedbacks bei.
Betreuung an der Universität Münster
Begutachtung an der Universität Münster