Von Worten geformte Welten: Eine sprachübergreifende Untersuchung der neuronalen Mechanismen der lexikalisch-syntaktischen Merkmalsproduktion.

Grunddaten zum Promotionsverfahren

Promotionsverfahren erfolgt(e) an: Promotionsverfahren an anderer Universität (NICHT Universität Münster)
Zeitraum01.06.2020 - 17.12.2025
Statusabgeschlossen
Promovend*inWang, Jin
AbschlusshochschuleHochschule Leiden
Name des PromotionsstudiengangsInstitut für Psychologie
AbschlussgradDr.
Betreuer*innenSchiller, Niels; Wittemanm Juriaan; Bölte, Jens

Beschreibung

Die Dissertation Worlds shaped by words. A cross-linguistic investigation into the neural mechanisms of lexico-syntactic feature production untersucht die neurokognitiven Mechanismen, die der Verarbeitung lexico-syntaktischer Merkmale während der Sprachproduktion zugrunde liegen. Im Mittelpunkt stehen zwei weit verbreitete, aber typologisch unterschiedliche nominale Klassifikationssysteme: das grammatische Genus im Deutschen und das Klassifikatorensystem im Mandarin-Chinesischen. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit die Verarbeitung solcher Merkmale im Zweitspracherwerb sowie bei nicht-kanonischen Wortkategorien. Die Arbeit verfolgt vier zentrale Fragestellungen: Erstens wird untersucht, ob und wie Klassifikatoren im Mandarin während der Nominalphrasenproduktion aktiviert werden. Zweitens wird geprüft, inwieweit semantische Eigenschaften von Klassifikatoren – insbesondere visuelle Formmerkmale – in diesen Prozess eingebunden sind. Drittens analysiert die Dissertation, ob späte Lerner des Deutschen mit Mandarin als Erstsprache grammatisches Genus verarbeiten können, obwohl dieses Merkmal in ihrer L1 nicht vorhanden ist. Viertens wird der Frage nachgegangen, ob semi-lexikalische Nomen lexico-syntaktische Merkmale auf dieselbe Weise aktivieren wie prototypische Inhaltswörter. Zur Beantwortung dieser Fragen werden mehrere experimentelle Studien durchgeführt, die etablierte psycholinguistische Paradigmen wie das Picture-Word-Interference-Paradigma und das Blocked-Cyclic-Naming-Paradigma mit Verhaltensmaßen und ereigniskorrelierten Potentialen (EEG) kombinieren. Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass Klassifikatoren im Mandarin während der Sprachproduktion aktiviert werden und dabei semantische Merkmale wie visuelle Form eine zentrale Rolle spielen. Elektrophysiologisch äußert sich dies unter anderem in N400-Effekten, die auf semantische Verarbeitungsprozesse hindeuten. Die Studien zum Zweitspracherwerb belegen, dass Mandarin-sprechende Lerner des Deutschen trotz fehlender Genuskategorien in der Erstsprache neuronale Marker der Genusverarbeitung zeigen. Dies spricht dafür, dass neue funktionale Merkmale im Erwachsenenalter zumindest teilweise erworben und verarbeitet werden können. Die Untersuchung semi-lexikalischer Nomen zeigt zudem, dass diese Wortklasse lexico-syntaktische Merkmale aktivieren kann, obwohl ihr semantischer Gehalt reduziert ist, was für ein Kontinuum zwischen Inhalts- und Funktionswörtern spricht. Insgesamt leistet die Dissertation einen substantiellen Beitrag zur psycholinguistischen und neurolinguistischen Forschung, indem sie zeigt, dass lexico-syntaktische Merkmale sprachübergreifend verarbeitet werden, ihre Aktivierung jedoch stark durch semantische Transparenz, sprachspezifische Strukturen und Erwerbserfahrungen moduliert ist. Die Arbeit verbindet theoretische Präzision mit methodischer Strenge und erweitert bestehende Modelle der Sprachproduktion um eine differenzierte, cross-linguistische Perspektive.

Betreuung an der Universität Münster

Bölte, Jens
Institut für Psychologie